Ein Geisterrad als Mahnung: ADFC gedenkt getötetem Radfahrer auf der Fangstraße

Veröffentlicht von Walter Hupfeld am

    Trotz glatter Straßen und winterlicher Kälte versammelten sich am vergangenen Samstag rund 40 Menschen am Herringer Markt, um einem verstorbenen Mitbürger zu gedenken und ein deutliches Zeichen für mehr Verkehrssicherheit zu setzen.

    Die vom ADFC Hamm organisierte Mahnwache galt einem 66-jährigen Radfahrer, der am 8. Januar auf der Fangstraße sein Leben verlor. Der Mann war in den frühen Morgenstunden als Zeitungsausträger für den Westfälischen Anzeiger unterwegs, als er von einem mutmaßlich alkoholisierten Autofahrer getötet wurde.

    Ein Schweigemarsch statt einer Fahrraddemo

    Aufgrund der extremen Glätte entschied sich die Gruppe kurzfristig um: Etwa die Hälfte der Teilnehmer war ohne Rad erschienen, sodass der Demonstrationszug zu Fuß vom Herringer Markt zur Unfallstelle auf der Fangstraße zog. Unter den Anwesenden waren neben ADFC-Mitgliedern und engagierten Bürgern auch ehemalige ArbeitskollegInnen des Verstorbenen die ihre tiefe Anteilnahme ausdrückten.

    An der Unfallstelle wurde ein Geisterrad – ein weiß lackiertes Fahrrad – als dauerhaftes Mahnmal aufgestellt. In einer Schweigeminute hielten die Teilnehmenden inne, um des Opfers zu gedenken.

    „Schönwetter-Infrastruktur“ tötet: Die Forderungen des ADFC

    Rainer Wilkes, Vorsitzender des ADFC-Kreisverbandes Hamm, fand in seiner Rede deutliche Worte zur Situation vor Ort. Er kritisierte die aktuelle Beschaffenheit der Fangstraße scharf:

    „Es gibt hier keinen geschützten Raum für Menschen auf dem Fahrrad. Stattdessen Tempo 70, fehlende Kontrollen und eine Straße, die oft als Rennstrecke missbraucht wird. Solch eine Verkehrsinfrastruktur ist nicht fehlerfreundlich – es ist eine ‚Schönwetter-Infrastruktur‘.“

    Der ADFC macht deutlich, dass dieser Unfall kein bloßes „Schicksal“ war, sondern die Folge mangelhafter Planung. Um künftige Tragödien zu verhindern, fordert der Verband für die Fangstraße:

    • Sofortige Reduzierung auf Tempo 50.
    • Regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen, um die Einhaltung zu erzwingen.
    • Langfristig eine baulich getrennte Radverbindung, die Radfahrende physisch vom motorisierten Verkehr trennt.

    Vision Zero: Sicherheit vor Geschwindigkeit

    Der ADFC Hamm appelliert an die Politik und die Verwaltung, das Ziel der Vision Zero – null Verkehrstote – endlich zur Priorität zu machen. „Wir stehen heute hier nicht nur in Trauer, sondern auch in Verantwortung“, schloss Wilkes seine Rede. Sicherheit müsse im Straßenverkehr grundsätzlich schwerer wiegen als die Geschwindigkeit des Autoverkehrs.

    Das weiße Geisterrad an der Fangstraße wird die Vorbeifahrenden ab sofort täglich daran erinnern, dass hier ein Mensch aus dem Leben gerissen wurde – und dass sich die Verkehrspolitik in Hamm dringend ändern muss.


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