Haushaltsentwurf – Gebremste Mobilitätswende

Veröffentlicht von Walter Hupfeld am

Warum in Hamms Haushaltsplan trotz Radwege-Millionen viele Projekte liegen bleiben.

In der vergangenen Legislaturperiode hat die Stadt Hamm die Planung von Radhauptrouten in alle Stadtbezirke vorangetrieben. Die meisten dieser Planungen knüpfen an die bereits in den 1990er-Jahren unter Oberstadtdirektor Dieter Krämer angelegten ILS-Routen an. ILS steht für „Integriertes Leitsystem“ – die entsprechende Beschilderung ist bis heute im Stadtbild präsent.

Parallel zur Planung begann der Ausbau der Hauptrouten. Als Meilensteine galten hierbei insbesondere die Asphaltierung des Heinz-Kruse-Wegs (Bockum-Hövel) und des Dunantwegs (Ostwennemar).

In der laufenden Legislatur soll der Ausbau der Radhauptrouten zwar fortgesetzt werden, doch gemessen an der Gesamtlänge des Netzes nehmen sich die aktuellen Vorhaben eher bescheiden aus.

RadhauptrouteMaßnahmen 2026/2027
Uentrop/WerriesLippestr.-Alter Uentroper Weg (Zugehörigkeit zur HR fragwürdig)
Ostwennemar(keine Maßnahmen geplant)
WesttünnenRLG-Trasse Werler Str.-Rottwiese
RhynernWilli-Bonnemeier-Weg
 RLG-Trasse Grünstraße-Weler Str.
Pelkum(keine Maßnahmen geplant)
Herringen(keine Maßnahmen geplant)
Bockum-Hövel(keine Maßnahmen geplant)
Heessen(keine Maßnahmen geplant)
“Fahrradpromenade”Nordring

Leerstellen im Hammer Westen und Norden

Auffällig ist: Wichtige Maßnahmen fehlen im Entwurf völlig. Der Hammer Westen und der Norden bleiben gänzlich unberücksichtigt. So fordert der ADFC seit langem dringend die Sanierung der Wilhelmstraße inklusive des Umbaus der Unterführung – im Haushaltsplan sucht man dies jedoch vergeblich.

Auch die Entschärfung gefährlicher Knotenpunkte wurde ausgespart. Kritische Kreuzungen wie z. B. Dunantweg/Soester Straße oder Werler Straße/Dr.-Loeb-Caldenhof-Straße tauchen nicht auf.

Etikettenschwindel und Kostenfragen

Einige Baumaßnahmen werden zwar den Radhauptrouten zugeordnet, gehören fachlich jedoch nicht dazu – etwa die Goethestraße oder der Bereich „Am Südbad“. Zudem ist fraglich, ob die geplanten drei Zählstellen für stolze 280.000 € den Radverkehr in Hamm tatsächlich voranbringen.

Fazit: Klimaneutralität nur auf dem Papier?

Im ersten Teil des Haushaltsplans wird zwar auf den Masterplan Mobilität als Beitrag zur Klimaneutralität verwiesen, doch das erklärte Ziel, den Anteil des Radverkehrs im Modal Split auf 30 % zu steigern, rückt so in weite Ferne. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass restriktive Maßnahmen gegen den Autoverkehr kategorisch ausgeschlossen werden.

Dass eine echte Verkehrswende ohne eine Kombination aus Pull-Maßnahmen (Attraktivitätssteigerung) und Push-Maßnahmen (Einschränkungen für den Kfz-Verkehr) nicht gelingt, ist wissenschaftlicher Standard. In den Köpfen der Hammer Lokalpolitik scheint diese Erkenntnis jedoch noch nicht angekommen zu sein.

Geplante Maßnahmen der Stadt Hamm

Haushaltstelle 662H1201015320 Radwege-Hauptrouten:Ertüchtigung

  • Beleuchtung RLG-Trasse (Werler Str.-Grünstr.) (2026: 225T€)
  • Radwegenetz Goethestraße (Alleestr.-Südring) (2026: 700T€)
  • Am Stadtbad (Neue Bahnhofstr.-Sedanstr.) (2026: 45T€)
  • Zählstellen für den Radverkehr (2026: 180T€, 2027: 100T€)
  • Hauptroute Uentrop (Lippestr.-Alter Uentroper Weg) (2027: 145T€)
  • Radweg RLG-Trasse (Werler Str.-Rottwiese) (2026: 300T€, 2027: 450T€)
  • Hauptroute Rhynern Willi-Bonnemeier-Weg (2027: 500T€)
  • Radweg RLG-Trasse (Werler Str.-Grünstr.) (2026: 600T€)

Haushaltstelle 662H1201010170 Anlegung von Geh- und Radwegen Gemeindestraßen

  • Geh-/Radwegbrücke „Dr.-J.-Kroker-Weg“ (OLG-Park) (2026: 210T€)
  • Fahrradpromenade Nordring (2026: 300T€, 2027: 350T€)
  • Geithebrücke (Lange Reihe-Blauregenweg) (2026: 140T€)
  • Schneckenweg (Sandstr.-Sachsenring) (2027: 140T€, 2028: 100T€,2029: 55T€)

Aus dem Entwurf des Haushaltplanes der Stadt Hamm

Ziele des Masterplan Mobilität 2024 – Beitrag zur Klimaneutralität

Die Zielsetzung des Masterplan Mobilität umfasst im Wesentlichen fünf übergeordnete Handlungsfelder:

  • Förderung des Radverkehrs als Motor der Mobilitätswende in Hamm
  • Entwicklung des Hammer ÖPNV zur leistungsfähigen Alternative zum PKW
  • Umgestaltung von Straßen und Plätzen zu attraktiven Stadträumen
  • Nachhaltige Mobilität auch im Wirtschaftsverkehr
  • Konsequente, regelmäßige Überprüfung der Zielerreichung.

Um die angestrebte Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen, müssen im Verkehrssektor 40 % (rd. 20.000 t CO2 / Jahr) eingespart werden. Die Verkehrswende soll in Hamm durch eine Veränderungsstrategie statt durch restriktive Maßnahmen gelingen. Es wird ein schrittweiser Umstieg auf umweltfreundliche Mobilitätsformen angestrebt. Der Pkw würde damit seltener genutzt, steht aber als Mobilitätsoption weiterhin zur Verfügung. Entscheidend für die Klimafreundlichkeit des verbleibenden KFZ-Verkehrs ist zusätzlich die Umstellung auf alternative Antriebe.

5.2.9. Radwege-Hauptrouten

Durch den Ausbau der Radwege-Hauptrouten soll die Nutzung des Fahrrades gefördert werden. Es werden in den kommenden Jahren u. a. der Radweg inkl. Beleuchtung an der RLG Trasse (Werler Straße – Grünstraße), das Radwegenetz Grünstraße (Alleestraße – Südring) ausgebaut. Weitere Details zu den einzelnen Maßnahmen können den Erläuterungen zu der Finanzstelle 662H1201015320 – Radwege-Hauptrouten: Ertüchtigung in der Übersicht der Investitionsmaßnahmen des StA 66 entnommen werden.


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