Radschnellweg Ruhr nach Hamm

Veröffentlicht von Walter am

Der Radschnellweg Ruhr (RS1) soll ein 115 Kilometer langer Radschnellweg von Moers bis nach Hamm werden. Die Idee zum RS1 entstand 2010, im Oktober 2012 wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrage gegeben, die im September 2014 veröffentlicht wurde. Bis heute sind allerdings erst 15 km das Radschnellwegs realisiert.

Die Tageszeitung hat kürzlich in einem Artikel  mit dem Titel “Im Schneckentempo” über den Ausbau des RS1 berichtet. “Im Kreis Unna könne „in Kürze mit der Planung der Streckenführung begonnen werden“, heißt es. In Hamm würden aktuell „verschiedene Varianten zur Linienführung“ untersucht. Im Klartext bedeutet das: … In Unna und Hamm … ist bisher nicht einmal klar, wo genau der RS1 einmal verlaufen soll.” 

Der in der Machbarkeitsstudien vorgesehene Streckenverlauf von Rünthe bis Hamm entlang des Datteln-Hamm-Kanals ist inzwischen in Frage gestellt und es werden Alternativen diskutiert.

Ausbaustandards für den Radschnellweg

Für den Ausbau des Radschnellwegs gibt es einen Leitfaden, der anspruchsvolle Standards festlegt. Der Radweg soll einen eigenständig geführten Zweirichtungsradweg mit einer Breite von 4 m ausgelegt werden, so dass im Begegnungsverkehr Überholen möglich ist. Mit einem Sicherheitsabstand ist ein parallel verlaufender Gehweg von 2,50 m Breite vorgesehen. 

Bei einem straßenbegleitendem Zweirichtungsradweg ist ebenfalls eine Breite von 4,00 m vorgesehen, bei einem Einrichtungsradweg von mindestens 3,00 m mit jeweils baulicher Trennung zur Kfz-Fahrbahn. 

Der Radweg soll möglichst planfrei gestaltet werden. Ist das nicht möglich, ist der Radverkehr an Kreuzungen bzw. Querungen weitestgehend zu bevorrechtigen, beispielsweise durch grüne Wellen. 

Realisierte Strecken

Von den 115 km Gesamtstrecke des RS1 sind bis jetzt nur einige Teilstücke realisiert. Es gibt ein Teilstück zwischen Mülheim und der Universität Duisburg-Essen, das am Campus Essen endet. Dort geht es seit Jahren nicht weiter, weil ein Gütergleis eines Industriebetriebes verlegt werden müsste und dazu vertragliche Fragen noch nicht abschließend geklärt sind. Weitere fertige Teilstücke gibt es zwischen Essen und Bochum.

Wikipedia CC0

Radschnellweg in Dortmund

Die Stadt Dortmund hat die ersten beiden Teilstücke des Radschnellwegs Ruhr (RS1) im Kreuzviertel freigegeben. Dort wird der Radschnellweg als Fahrradstraße mit einem Tempolimit von 30 km/h geführt.

Einen virtuellen Verlauf des RS1 in Dortmund zeigt das folgende Video:

Von Unna nach Hamm

Im Kreis Unna soll der RS1 durch Unna, Kamen und Bergkamen führen, hier unter anderem über die Klöcknerbahn-Trasse. Auch mit Blick auf diesen Abschnitt ist eine Planfeststellung erforderlich.

Ab dem Datteln-Hamm-Kanal werden zwei Möglichkeiten in Betracht gezogen. Einerseits die Trasse entlang des Kanals entsprechend der Machbarkeitsstudie, alternativ wird eine Trasse über die Zechenbahn von Werne nach Stockum bis zur Straße Am Lausbach erwogen. Für beide Varianten werden/wurden umfangreiche Umweltverträglichkeitsstudien (UVS) erarbeitet.

RS 1 in Hamm

Abhängig von der Wahl der Trasse im Kreis Unna ergeben sich für Hamm verschiedene Varianten. Nach wie vor wird von der Verwaltung in Hamm die ursprünglich in der Machbarkeitsstudie vorgesehene Route entlang des Datteln-Hamm-Kanals präferiert.

Allerdings hat die vom Kreis Unna erstellte UVS die nördliche Variante über Werne und Stockum als die Variante mit weniger Raumwiderständen ermittelt.

grün – Variante Machbarkeitsstudie, blau – Variante 2 Am Lausbach/Herringer Brücke, rot – Varante 3 nördlich der Bahn

Für die Stadt Hamm ist nach wie vor die Variante aus der Machbarkeitsstudie entlang des Kanals von Hamm nach Bergkamen die bevorzugte Variante. Dieser Weg wird schon heute intensiv von Radfahrenden benutzt und stellt eine wichtige Verbindung nach Werne und Bergkamen/Rünthe dar. Diese Variante benutzt weitestgehend vorhandene Wege, die auf die erforderliche Breite ausgebaut werden müssten. Außerdem hat diese Strecke kaum Knotenpunkte mit Begegnungsverkehr mit PKW. Die Stadt Hamm beabsichtigt unabhängig von der endgültigen Entscheidung, die Route über den Mitteldamm als Radhauptroute zu asphaltieren.

Sollte sich jedoch der Kreis Unna für die nördliche Variante entscheiden und den Radweg über die Trasse der Zechenbahn nach Stockum führen, gibt es für die Stadt Hamm ein Problem. Da die Bahntrasse von Stockum nach Hamm über die von der Amprion Bahn GmbH betriebene Linie nicht möglich ist, ergeben sich folgende drei Möglichkeiten, für die jetzt Umweltverträglichkeitsprüfungen durchgeführt werden sollen. Folgende Korridore wurden dafür vorgesehen.

  1. Korridor Mitteldammvariante gem. Machbarkeitsstudie
                               
  2. Anbindung Werne Stockum über Nordherringer Fuß- und Radbrücke
                                   
    Knoten Am Lausbach L881 / Wittekindstraße L507 beginnend – entlang der Straße Am Lausbach L881 nach Süden – zwischen Kläranlage und Deponie – am Böschungsfuß auf der Nordseite des Lippedeichs – über die Nordherringer Fuß- und Radbrücke – Anschluss an Mitteldamm.

    Bei dieser Variante ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Brücke nicht den Standards für den Ausbau eines Radschnellwegs entspricht und es Probleme mit der Zulassung geben könnte.
                       
  3. Nördl. der Amprionbahn – entlang der Wittekindstraße L507 – Querung der Bahn bei Strackstraße – Richtung Südosten – … – nördlich der Kornmersch – Schweinemersch – Münsterstraße (rote Variante).
    Wie die Trasse zwischen Strackstraße und Kornmersch verlaufen soll, ist nicht geklärt und wird wohl eine sehr schwierige wenn nicht unmöglich planerische Aufgabe sein.

Die Umweltverbände würden im Gegensatz zur Stadtverwaltung die nördliche Route bevorzugen, da diese nicht die Natur- und Landschaftsschutzgebiete im Bereich die Lippe tangieren.  

Das für die UVS beauftragte Büro Froelich & Sporbeck hat inzwischen an die Naturschutzverbände eine Mail verschickt, mit der Bitte, bis zum 6.12 dieses Jahres für die in der Grafik dargestellten Untersuchungsgebiete für den Artenschutz relevante Vogelarten zu melden.

Alle Varianten enden auf der Münsterstraße. Leider verfügt die Münsterstraße über keinen Radweg. Der kombinierte Geh-/Radweg erfüllt mit 3 m Breite schon jetzt nicht den Standard für eine Radhauptroute. Die Stadt schließt aber den Bau einer Brücke für Radfahrende und Fußgänger über die Lippe und den Kanal kategorisch aus.

Fazit

Im Moment ist völlig ungewiss, wo und wann der Radschnellweg bis Hamm gebaut wird. Sollte der Kreis Unna sich für die nördliche Variante entscheiden, wird es sehr schwer werden, eine geeignete Trasse nach Hamm zu finden. Eine Trasse südlich des Kanals fällt wohl mangels geeigneter Flächen aus.

Stellt sich die Frage, brauchen wir überhaupt einen Radschnellweg bis nach Hamm? Dieser wäre ein herausragendes Prestigeprojekt für die Stadt Hamm, das aus Landesmitteln finanziert wird und die Zugehörigkeit zum östlichen Ruhrgebiet hervorhebt. Außerdem wird der Tourismus als Endpunkt bzw. Startpunkt eines sehr gut ausgebauten Radweges durch das gesamte Ruhrgebiet deutlich profitieren.

Für den Alltagsverkehr halte ich das Projekt allerdings für nicht bedeutend, da ich mir nicht vorstellen kann, dass viele Menschen mit dem Rad nach Werne, Bergkamen, Lünen oder Unna pendeln werden. Zu einer Entlastung des PKW-Verkehrs wird das Ausbau kaum beitragen. Im Wesentlichen wird der Weg im Freizeitverkehr benutzt werden. Reicht für diesen Fall nicht auch ein gut ausgebauter Geh-/Radweg mit mindestens 3 m Breite? Dieser müsste dann auch nicht unbedingt durchgehend beleuchtet werden.

Artikel zum RS 1 im Westfälischen Anzeiger

16.08.2021 Wird RS1 zum Radschleichweg SPD im Kreis Unna enttäuscht von Auskunft aus Duesseldorf

06.07.2021 Scheck über Millionen Euro vom Bund IGA-Radweg in Bergkamen

28.06.2021 Noch keine Route für Radschnellweg in Hamm

09.10.2019 Radschnellweg RS1 Hamm – Stadt prüft Trasse über Mitteldamm

23.05.2019 Radschnellweg Ruhr muss Hamm Kreis Unna vielerorts überprueft werden

22.05.2019 Posse beim Radschnellweg – Stadt Hamm – Problemabschnitt seit 2014 bekannt

18.05.2019 Radschnellweg wird Hamm erst 2025 gebaut – Problem Streckenführung Mitteldamm

Anhang

Karte des RS 1 von Strassen.nrw mit Panoramabildern


1 Kommentar

Mit dem Fahrrad nach Dortmund über den RS1 – Radwege Hamm · 21. April 2022 um 10:11

[…] Die Realisierung des Radschnellweg Ruhrs wird seit über 10 Jahren diskutiert, in  2014 wurde eine Machbarkeitsstudie für die Umsetzung des Radschnellwegs von Duisburg bis Hamm veröffentlicht. Über den aktuellen Stand der Planung habe ich bereits berichtet. […]

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