Dooring-Unfälle: Die unterschätzte Gefahr im Straßenverkehr

„Bei einem Dooring-Unfall auf der Hagenstraße zog sich ein 48-jähriger Radfahrer am Dienstag, 25. August, schwere Verletzungen zu“, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei Hamm, in der auch Verhaltensregeln zur Vermeidung von Dooring-Unfällen aufgezeigt sind.
Solche Unfälle sind leider keine Seltenheit – auch in Hamm: Nach Untersuchungen der Unfallforschung der Versicherer (UDV) ist etwa jeder 14. Unfall zwischen einem Pkw und einem Fahrrad (ca. 7 %) ein Dooring-Unfall – meist verursacht durch das unachtsame Öffnen der Fahrertür. Rund 20 % dieser Unfälle führen zu schweren Verletzungen, überwiegend an Kopf und Beinen.
Die Polizei Hamm führt daher mit Unterstützung des ADFC eine Kampagne durch, die auf das Problem aufmerksam machen will. Dazu werden unter anderem Piktogramme auf Radwegen entsprechend aufgetragen.
Wie kannst du dich als Radfahrender schützen?

- Sicherheitsabstand halten: Der effektivste Schutz ist das Einhalten eines konsequenten Sicherheitsabstands zur Dooring-Zone. Halte mindestens 1,0 bis 1,5 Meter Abstand zu parkenden Fahrzeugen – das entspricht etwa einer Armlänge plus geöffneter Autotür. Die Rechtsprechung räumt dir ausdrücklich das Recht ein, diesen Abstand einzuhalten, selbst wenn du dadurch mittiger auf der Fahrbahn fährst. Bei zu geringem Abstand haben Gerichte Radfahrenden im Unfallfall schon häufiger eine Mitschuld zugesprochen.
- Auf Signale im Fahrzeug achten: Schau vorausschauend durch die Heckscheiben geparkter Autos. Achte auf Kopfbewegungen hinter den Kopfstützen, aufleuchtendes Innenlicht, eingeschaltete Bremsleuchten oder einklappende Außenspiegel.
- Bremsbereitschaft erhöhen: Verringere an unübersichtlichen Parkstreifen leicht die Geschwindigkeit und halte die Hände griffbereit an den Bremshebeln, um deine Reaktionszeit zu verkürzen.
- Gute Beleuchtung & Kleidung: Auffällige Kleidung und funktionierendes Licht helfen immer, von Aussteigenden früher wahrgenommen zu werden.
Was solltest du als Autofahrer beachten?
Als Autofahrer triffst du beim Aussteigen rein rechtlich die Hauptverantwortung – aber zum Glück reichen schon ein paar einfache Handgriffe, um niemanden vom Rad zu holen:
- Der Holländische Griff: Gewöhn dir an, die Fahrertür immer mit der rechten Hand zu öffnen (und als Beifahrer mit der linken). Durch die Oberkörperdrehung schaust du automatisch über deine Schulter und in den Außenspiegel.
- Doppelter Check: Verlass dich nie allein auf den Außenspiegel. Ein Radfahrer ist schnell im toten Winkel verschwunden, also mach vor dem Griff zur Klinke immer den Schulterblick.
- Tür erst nur einen Spalt öffnen: Mach die Tür zuerst nur wenige Zentimeter auf, halte sie fest und schau nochmal nach hinten. So sehen andere direkt, dass jemand aussteigt, ohne dass die Tür gleich den ganzen Weg versperrt.
- Mitfahrer und Kids briefen: Erinnere deine Mitfahrenden kurz aufs Aufpassen – besonders Kinder auf der Rückbank. Das gilt vor allem, wenn sich der Radweg rechts neben dem parkenden Auto befindet.
- Reichlich Platz beim Überholen: Halte beim Überholen von Radlern innerorts immer mindestens 1,5 Meter Abstand. Sonst drückst du sie automatisch zu nah an die geparkten Autos heran. Und wenn der Platz nicht reicht, ist Überholen nicht möglich. Auch das musst du aushalten.
- Radwege absolut freihalten: Park oder halte niemals auf Rad- und Schutzstreifen. Das zwingt Radfahrende zum Ausweichen in den Verkehr und provoziert brenzlige Situationen.
Welche Schuld trägt die Radinfrastruktur an Dooring-Unfällen?
Die Radinfrastruktur trägt eine erhebliche Mitschuld an Dooring-Unfällen, weil sie Radfahrende durch mangelhafte Planung oft gezielt in den Schwenkbereich geöffneter Autotüren leitet.

- Fehlende Pufferzonen (Sicherheitstrennstreifen): Auf vielen Straßen grenzen Schutz- oder Radfahrstreifen nahtlos an Parkstreifen an. Fehlt der nötige Sicherheitstrennstreifen von mindestens 0,5 bis 0,75 Metern zwischen Auto und Radweg, liegt der Schutzstreifen oder Radfahrstreifen mitten in der Gefahrenzone.
- Trügerische Sicherheit durch Markierungen: Aufgemalte weiße Linien vermitteln Radelnden ein trügerisches Gefühl von Schutz. Das verleitet dazu, starr innerhalb der Markierung zu fahren, anstatt den eigentlich notwendigen Abstand von 1,0 bis 1,5 Metern einzuhalten. In Hamm gibt es viele Schutzstreifen von weniger als 1 Meter Breite, die direkt an parkenden Autos vorbeiführen. Diese solltest du als Radfahrender ignorieren und den Raum lieber selbst als Sicherheitsabstand nutzen.
- Parkplatz-Priorisierung statt Verkehrssicherheit: Oft werden Radwege auf verbleibende Restflächen gezwängt, nur um Parkplätze im Straßenraum nicht streichen zu müssen. So entstehen Spuren, die schlicht zu schmal sind, um sicher befahren zu werden.
- Missachtung von Planungsstandards: Die bundesweit geltenden Regelwerke (wie die ERA – Empfehlungen für Radverkehrsanlagen) schreiben klare Sicherheitsabstände zu Längsparkständen vor. In der Praxis – besonders bei Altbeständen oder nachträglich aufgemalten Schutzstreifen – wird die Markierung von Sicherheitsabständen aus Platzmangel schlicht weggelassen.
- Konflikt mit dem nachfolgenden Verkehr: Wenn du als Radfahrer auf einem Schutzstreifen vorschriftsmäßig 1,5 Meter Abstand zu parkenden Autos hältst, fährst du oft links außerhalb der weißen Markierung. Das provoziert oft Hupen oder enges Überholen durch Autofahrer, die fälschlicherweise glauben, du müsstest zwingend auf dem aufgemalten Streifen bleiben.
Moderne und sichere Infrastruktur verhindert Dooring-Unfälle baulich – etwa durch Protected Bike Lanes (bei denen der Radweg rechts von den parkenden Autos verläuft), klare Sperrflächen zwischen Parkplatz und Radweg oder die Umwandlung von Längs- in Fahrbahnränder ohne Parkstreifen. In Hamm ist das leider noch oft Fehlanzeige.
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