Unfälle mit E-Scootern – Auswertung der Pressemeldungen der Polizei Hamm für 2026

Veröffentlicht von Walter Hupfeld am

E-Scooter

Die Polizei Hamm veröffentlicht täglich Meldungen zu Verkehrsunfällen im Presseportal, die anschließend fast wörtlich auch im WA gedruckt werden. Dort finden sich auch die Unfälle mit Fahrrädern und E-Scootern, die ich seit einigen Jahren in einer Datenbank in diesem Blog automatisch erfasse und die sich dort durchsuchen lassen. Eine Suchabfrage zu „E-Scooter” gibt die vollständigen Meldungen der Pressestelle der Polizei zum Thema aus. Diese habe ich mithilfe der KI ChatGPT auswerten lassen und präsentiere im Folgenden die Ergebnisse.

E-Scooter-Unfälle haben im letzten Jahr deutlich zugenommen, wie die Verkehrsunfallbilanz der Polizei Hamm ausweist, und in diesem Jahr scheint sich diese Tendenz fortzusetzen.

Bei der Auswertung der Polizeimeldungen für das Jahr 2026 wurden nur Verkehrsunfälle berücksichtigt, nicht Meldungen zu Diebstählen, Kontrollen oder sonstigen Polizeieinsätzen, in denen lediglich ein E-Scooter erwähnt wird.

  • 43 Polizeimeldungen mit dem Begriff „E-Scooter“
  • davon 34 Verkehrsunfälle
  • 9 sonstige Polizeimeldungen (Diebstahl, Kontrollen, Sicherstellungen usw.)

Zu berücksichtigen ist weiterhin, dass die Polizei nicht zu jedem Verkehrsunfall eine Pressemittteilung veröffentlicht.

Die Auswertung zeigt, dass bis zum 7. August  34 E-Scooter-Verkehrsunfälle erfasst wurden. Dabei wurden 39 E-Scooter-Fahrende verletzt, davon 8 schwer.

Die größte Unfallgruppe bilden Kollisionen mit abbiegenden oder einfahrenden Pkw (18 Fälle). Alleinunfälle (9 Fälle) sind ebenfalls häufig und gehen oft auf Ablenkung, Fahrfehler oder unangepasstes Verhalten zurück. Zusammenstöße mit anderen E-Scootern (4 Fälle) kommen deutlich seltener vor. Bemerkenswert ist, dass kein einziger Unfall mit verletzten Fußgängerinnen oder Fußgängern in den vorliegenden Polizeimeldungen enthalten ist.

Insgesamt deuten die Pressemittelungen an, dass sich die Ursachen etwa in zwei Muster aufteilen: Konflikte an Knotenpunkten des Straßenverkehrs (vor allem mit abbiegenden Pkw) sowie selbst verursachte Fahrfehler der E-Scooter-Fahrenden.

Besorgniserregend finde ich, dass der überwiegenden Teil der Verletzten Jugendliche sind. E-Scooter dürfen ab 14 Jahren ohne Führerschein gefahren werden, eine Helmpflicht besteht analog zu Radfahrenden nicht. Die Geschwindigkeit ist auf 20 km/h begrenzt und viele nutzen auch die Höchstgeschwindigkeit, was bei dem kleinen Durchmesser der Räder problematisch ist.

Warum passieren so viele E-Scooter-Unfälle?

Die Auswertung der Hammer Polizeimeldungen zeigt, dass E-Scooter-Unfälle meist auf wenige wiederkehrende Ursachen zurückzuführen sind:

1. E-Scooter werden von Autofahrenden häufig übersehen.
Viele Unfälle passieren beim Abbiegen, an Grundstücksausfahrten oder in Kreisverkehren. Aufgrund ihrer geringen Größe werden E-Scooter oft zu spät wahrgenommen oder ihre Geschwindigkeit wird falsch eingeschätzt. Rund die Hälfte aller Unfälle mit Personenschaden in Deutschland sind Kollisionen mit Pkw.

2. Junge Fahrende unterschätzen Verkehrsgefahren.
Viele verunglückte E-Scooter-Fahrende sind Jugendliche. Ihnen fehlt häufig die Erfahrung, gefährliche Situationen frühzeitig zu erkennen und Fehler anderer Verkehrsteilnehmender vorauszuahnen. Auch bundesweit sind junge Menschen überproportional häufig an E-Scooter-Unfällen beteiligt.

3. Regelverstöße erhöhen das Unfallrisiko.
Immer wieder nennt die Polizei dieselben Ursachen: Fahren auf der falschen Straßenseite, Gehwegnutzung, Rotlichtverstöße, Smartphone-Nutzung, Alkohol oder Drogen sowie das Fahren zu zweit. Diese Verhaltensweisen tauchen auch in den Hammer Unfallmeldungen regelmäßig auf.

4. Der E-Scooter wird oft nicht als Fahrzeug wahrgenommen.
Viele Nutzer behandeln den E-Scooter eher wie ein Freizeitgerät als wie ein Kraftfahrzeug. Das senkt die Hemmschwelle, Verkehrsregeln zu missachten oder unnötige Risiken einzugehen.

5. Die Fahrzeuge selbst verzeihen kaum Fahrfehler.
Kleine Räder und eine geringe Fahrstabilität führen dazu, dass schon Bordsteine, Schlaglöcher oder kurze Unaufmerksamkeiten zu Stürzen führen können. Deshalb machen Alleinunfälle einen erheblichen Teil aller E-Scooter-Unfälle aus.

Die Unfallmeldungen aus Hamm zeigen daher deutlich: Mehr Verkehrssicherheit lässt sich nur erreichen, wenn sowohl E-Scooter-Fahrende als auch Autofahrende ihr Verhalten anpassen. Rücksicht, Aufmerksamkeit und die Einhaltung der Verkehrsregeln sind auf beiden Seiten entscheidend.

Unfallstatistik

MonatAnzahl Unfälle
Januar 20262
Februar 20262
März 20262
April 20262
Mai 20267
Juni 202612
Juli 20268
August 20261

Auffällig: Ab Mai steigt die Zahl der Unfälle deutlich an. Juni ist mit Abstand der unfallreichste Monat.

Insgesamt gabe es 31 E-Scooter-Fahrende wurden leicht verletzt, 8 E-Scooter-Fahrende schwer, insgesamt gabe es 39 verletzte Personen

(Dabei wurden Mitfahrende und andere Verkehrsteilnehmer nicht mitgezählt.)

Zusätzlich verletzt wurden u.a.

  • 3 Mitfahrende auf E-Scootern
  • 2 Pkw-Fahrer
  • 2 Radfahrer/Pedelecfahrer

Unfallarten

Die meisten Unfälle mit E-Scootern sind Kollisionen mit PKW, ein Viertel der Unfälle sind Alleinunfälle.

UnfallartAnzahl
Kollision mit Pkw18
Alleinunfall9
Zusammenstoß zweier E-Scooter4
Kollision mit Fahrrad/Pedelec2
Auffahrunfall auf Pkw1

Damit entfielen rund

  • 53 % auf Kollisionen mit Pkw
  • 26 % auf Alleinunfälle

Bei den 9 Alleinunfällen werden als Ursache genannt

  • Sturz
  • :gegen Verkehrszeichen
  • gegen geparktes Auto
  • Treppen
  • Schlagloch
  • Smartphone-Ablenkung
  •  

Es gab 18 Unfälle mit kreuzendem oder abbiegendem Verkehr, fast ausschließlich

  • abbiegende Pkw
  • Einfahrten
  • Grundstücksausfahrten
  • Kreisverkehre
  • Kreuzungen

Dies ist mit Abstand die größte Gruppe.

4 Unfälle mit anderen E-Scootern

  • zwei Fahrzeuge kollidieren
  • Berührung
  • Fahrwege kreuzen sich
  • Sturz nach Kontakt

Im gesamten Datensatz findet sich kein einziger Unfall, bei dem ein Fußgänger verletzt wurde.

Weiterhin wurden 2 Zusammenstöße mit Fahrrad/Pedelec und 1 Auffahrunfall auf Pkw erwähnt.

Vermutlicher Unfallverursacher

Die Polizei legt keine Schuld fest. Anhand der Sachverhalte lässt sich jedoch eine wahrscheinliche Einordnung vornehmen.

Vermutlicher HauptverursacherAnzahl
überwiegend Pkw12
überwiegend E-Scooter18
unklar4

Typische Ursachen auf Seiten der E-Scooter:

  • Smartphonebenutzung
  • Rotlichtverstoß
  • falsche Fahrtrichtung
  • Gegenverkehr gekreuzt
  • Überholen
  • Kontrollverlust
  • Schlagloch
  • zwei Personen auf einem Scooter
  • fehlende Aufmerksamkeit

Typische Ursachen auf Seiten der Pkw:

  • Abbiegen
  • Einfahren aus Grundstück
  • Rückwärtsfahren
  • Vorfahrt bzw. Übersehen
  • Sichtbehinderung (Sonne)

Auffälligkeiten

1. Kreuzungen dominieren

Mehr als die Hälfte aller Fremdbeteiligungsunfälle entstehen

  • beim Abbiegen
  • an Kreuzungen
  • in Kreisverkehren
  • an Einfahrten.

2. Junge Fahrer dominieren

Ein erheblicher Teil der verletzten Fahrer ist 14 bis 17 Jahre alt. Jugendliche stellen den größten Anteil der Verletzten.

3. Viele Alleinunfälle

Fast jeder vierte Unfall ist ein Alleinunfall.

Mehrere Ursachen:

  • Ablenkung
  • Kontrollverlust
  • Hindernisse
  • Fahrfehler

4. Mehrfach typische Regelverstöße

Mehrfach erwähnt werden

  • Smartphone während der Fahrt
  • zwei Personen auf einem Scooter
  • technische Veränderungen
  • fehlender Versicherungsschutz
  • falsche Fahrtrichtung

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert