Fahrradparkhaus in Hamm: Fast wie in Holland – nur wo sind die Fahrräder?
283 Fahrradstellplätze mitten in der Hammer Innenstadt, rund um die Uhr geöffnet und für einen Euro am Tag zu haben. Das neue Fahrradparkhaus an der Stadthausstraße klingt nach einem guten Angebot. Doch bei meinem ersten Besuch war die Anlage nahezu leer. Und bis das eigene Fahrrad dort steht, sind einige digitale Hürden zu überwinden.
Ein Fahrradparkhaus für Hamm – und keiner findet es?
Fast wie in Holland: Hamm hat jetzt ein Fahrradparkhaus direkt am Marktplatz. Am 28. September 2026 wurde die Anlage an der Stadthausstraße feierlich eröffnet. Ein weiterer Baustein für eine fahrradfreundlichere Innenstadt, wie es bei solchen Gelegenheiten gerne heißt.

Doch während die Verantwortlichen die neue Einrichtung einweihen, scheint ihre Existenz bei vielen Menschen noch nicht angekommen zu sein.
Mein erster Eindruck fällt jedenfalls ernüchternd aus: An einem sonnigen Samstag, an dem der Wochenmarkt gut besucht ist und zahlreiche Menschen mit dem Fahrrad in der Innenstadt unterwegs sind, präsentiert sich das neue Fahrradparkhaus nahezu leer. Nur zwei Fahrräder stehen in der Anlage.
Vielleicht handelt es sich um eine besonders exklusive Form des Fahrradparkens: viel Platz, wenig Konkurrenz und eine bemerkenswert entspannte Parkplatzsuche.
Ein kleines Detail könnte allerdings dazu beitragen, dass die neue Einrichtung noch nicht so recht wahrgenommen wird: Hinweisschilder, die Radfahrende zum Fahrradparkhaus führen, fehlen nach meiner Beobachtung vollständig. Wer das Angebot nicht kennt, muss es also erst einmal entdecken.
Dabei liegt die Idee auf der Hand. Wer zum Wochenmarkt, zum Einkaufen, ins Restaurant oder zu einer Veranstaltung in die Innenstadt fährt, soll sein Fahrrad sicher und wettergeschützt abstellen können. Genau dafür wurde die Anlage geschaffen.
Was bietet das Fahrradparkhaus?

Die wichtigsten Eckdaten sind durchaus überzeugend. Das Fahrradparkhaus befindet sich im Erdgeschoss des Neubaus an der Stadthausstraße 4. In den darüberliegenden Geschossen sind 17 kleine Wohnungen für Studierende und Auszubildende untergebracht.
Die Anlage verfügt über insgesamt 283 Stellplätze:
- 260 Doppelstockparkplätze für Fahrräder,
- 21 Einzelparkplätze,
- 2 Stellplätze für Lastenräder.
Hinzu kommen Lademöglichkeiten für E-Bikes, eine Selbstbedienungsstation zum Aufpumpen der Reifen und für kleinere Reparaturen sowie 28 Schließfächer. Videoüberwachung und ein elektronisches Schließsystem sollen die Sicherheit erhöhen.

Das Fahrradparkhaus ist täglich rund um die Uhr zugänglich. Betrieben wird es von den Stadtwerken Hamm. Die Baukosten für die Fahrradanlage werden von der Stadt mit rund 820.000 Euro angegeben. Davon stammen rund 780.000 Euro aus Förderprogrammen des Landes Nordrhein-Westfalen.
Die Ausstattung ist also vorhanden. Die entscheidende Frage lautet: Wie einfach lässt sich das Angebot im Alltag tatsächlich nutzen?
Hohe Hürden beim Zugang: Erst einmal die App bemühen

Wer sein Fahrrad abstellen möchte, kann nicht einfach hineingehen und sich einen freien Platz suchen. Die Buchung erfolgt über das System radbox.nrw, wahlweise über die Website oder die entsprechende App.
Vor der ersten Nutzung ist eine Registrierung erforderlich. Anschließend muss ein Zahlungsmittel hinterlegt werden. Zur Auswahl stehen Kreditkarte, PayPal und SEPA-Lastschrift.
Das klingt zunächst nicht sonderlich kompliziert. Also mache ich mich ans Werk. App installieren, registrieren, Zahlungsmittel hinterlegen – und schon sollte es losgehen.
Sollte.
Beim Einrichten meines PayPal-Kontos werde ich auf die Website des Zahlungsdienstleisters LOGPAY weitergeleitet. Nach der Eingabe der Zahlungsdaten soll ich zur App zurückkehren. Das funktioniert zunächst nicht. Irgendwann ist das Zahlungsmittel dann doch in der App hinterlegt.
Gut, denke ich, damit wäre die erste Hürde genommen.
Nun buche ich einen Stellplatz für 24 Stunden. Der Preis von einem Euro ist aus meiner Sicht völlig in Ordnung. Für einen sicheren, überdachten Fahrradstellplatz mitten in der Innenstadt ist das ein fairer Tarif.
Doch die Buchung entwickelt sich zur nächsten digitalen Schnitzeljagd: Ich buche den Platz, werde wieder zu LOGPAY weitergeleitet, bezahle den Euro – und lande anschließend nicht wieder in der App. Beim erneuten Öffnen ist keine Buchung zu sehen. Der Euro ist zunächst verschwunden, wird später aber zurückgebucht. Einen Zugang zum Fahrradparkhaus habe ich damit natürlich auch nicht.
Irgendwann finde ich die Ursache: Auf meinem iPhone war Safari nicht als Standardbrowser eingerichtet. Nachdem ich das geändert habe, funktioniert die Buchung.
Problem gelöst. Zumindest bei mir.
Dass ich dafür erst die Smartphone-Einstellungen ändern musste, dürfte nicht unbedingt dem entsprechen, was sich die Stadt unter einem möglichst niederschwelligen Zugang zum Fahrradparken vorstellt.
Und offenbar bin ich mit solchen Schwierigkeiten nicht allein. Ich habe inzwischen mit mehreren Personen gesprochen, die ebenfalls Probleme bei der Installation oder Einrichtung der App hatten.
Natürlich kann nicht jede technische Schwierigkeit dem Betreiber angelastet werden. Aber wenn ein Angebot möglichst viele Menschen erreichen soll, ist die Benutzerfreundlichkeit ein entscheidender Teil der Infrastruktur. Die Zugangshürden sollte möglichst gering sein.
Was kostet das Parkhaus?
Die regulären Preise sind überschaubar. Wer häufiger mit Bus und Bahn unterwegs ist, kann außerdem einen Rabatt erhalten.
| Parkdauer | Standardpreis | Rabattpreis* |
| 24 Stunden | 1,00 € | 0,75 € |
| 1 Woche | 5,00 € | 3,75 € |
| 1 Monat | 8,50 € | 6,40 € |
| 3 Monate | 24,00 € | 18,00 € |
| 6 Monate | 45,00 € | 33,50 € |
| 1 Jahr | 85,00 € | 63,50 € |
Der Rabatt gilt laut Stadtwerken für Inhaberinnen und Inhaber eines ÖPNV-Abonnements mit entsprechender Chipkarte, beispielsweise eines Deutschlandtickets.
Ich habe in Deutschlandticket, allerdings nur digital. Dann gibt es keinen Rabatt. Das erschließt sich mir nicht so richtig.
Gerade für Menschen, die regelmäßig in der Innenstadt arbeiten oder dort längere Zeit verbringen, können die Wochen-, Monats- und Jahrestarife interessant sein. Für einen gelegentlichen Marktbesuch ist der Tagespreis von einem Euro ebenfalls angemessen.
Die aktuellen Tarife und Nutzungsbedingungen sind auf der Informationsseite der Stadtwerke Hamm zu finden.
Mein erster Besuch: Tür auf, Tür zu – und wo ist mein Stellplatz?
Nachdem die Buchung endlich funktioniert hat, halte ich meine TAN bereit und stehe vor der Tür.
Die TAN öffnet die Tür – allerdings nur kurz. Sie schließt sich wieder, bevor ich richtig hineingekommen bin. Also noch einmal die Nummer eingeben. Beim zweiten Versuch klappt es. Jetzt weiß ich Bescheid.
Gebucht habe ich „Tür 1, Stellplatz 01“. Nur: Die Stellplätze sind vor Ort nicht so durchnummeriert, wie ich es erwartet hätte. Da die Halle ohnehin fast leer ist, entscheide ich mich pragmatisch für einen freien Platz auf einer unteren Schiene.

Beim Einschieben des Fahrrads in die Schiene hakt es zunächst. Was mache ich falsch? Ein Blick auf die Konstruktion verrät: Die Pedale bleibt an einem Bügel hängen. Stelle ich das Fahrrad etwas schräg, funktioniert es.
Das ist kein unlösbares Problem. Eine kurze Einweisung oder eine verständliche Beschilderung vor Ort könnte allerdings verhindern, dass Neulinge erst einmal mit ihrem Fahrrad und der Halterung Bekanntschaft schließen müssen.
Doppelstockparker: Nicht für jedes Fahrrad und jede Person bequem
Natürlich möchte ich auch die zweite Etage ausprobieren. Schließlich ist das Fahrradparkhaus mit 260 Doppelstockparkplätzen ausgestattet – sie stellen also den größten Teil der Kapazität.

Ich ziehe die Schiene heraus. Das Herunterziehen beziehungsweise Absenken erfordert schon einiges an Kraft. Anschließend muss das Vorderrad in die Schiene gehoben und das Fahrrad nach oben geschoben werden.

Mit meinem Fahrrad ist das machbar. Aber bequem ist etwas anderes.
Vor allem bei schweren Pedelecs dürfte das für manche Menschen eine echte Herausforderung sein. Wer nicht besonders kräftig ist, körperliche Einschränkungen hat oder sein schweres E-Bike nur mit Mühe anheben kann, wird die obere Etage möglicherweise nicht nutzen wollen oder können.
Das bedeutet nicht, dass Doppelstockparker grundsätzlich ungeeignet sind. Sie ermöglichen es, auf begrenzter Fläche viele Fahrräder unterzubringen. Allerdings sollte ihre Bedienbarkeit für unterschiedliche Nutzergruppen bei der Planung und im Betrieb mitgedacht werden.
Die 21 Einzelstellplätze sind deshalb eine sinnvolle Ergänzung. Entscheidend ist, dass sie für diejenigen erreichbar sind, die auf einen leicht zugänglichen Stellplatz angewiesen sind – und dass die Nutzung vor Ort verständlich erklärt wird.
Die Führungschienen für die Räder sind recht schmal, sodass breite Reifen nicht hineinpassen. Sicher wird man keine Fatbikes oder Gravelbikes mit breiter Bereifung dort unterbringen können. Vielleicht hätten sich die Planer einmal bei der Fahrradstation am Dortmunder Haptbahnhof, die vom ADFC betrieben wird, erkundigen sollen, welche Räder heutzutage untergebracht werden wollen. Ober der Abstand zwischen den Schienen ausreicht, wird man erst bei beserer Befüllung beurteilen können.
Sicher abstellen – aber nicht einfach vergessen
Das Fahrradparkhaus bietet Schutz vor Witterung und einen kontrollierten Zugang. Videoüberwachung und elektronisches Schließsystem sind zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen.
Eine Garantie gegen Diebstahl sind sie allerdings nicht. Die Stadtwerke weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Fahrräder zusätzlich gesichert werden sollten und keine Bewachung oder Verwahrung durch den Betreiber erfolgt.
Auch die Schließfächer sind praktisch: Wer einen Stellplatz gebucht hat, kann dort persönliche Gegenstände kostenfrei einschließen. Sie verfügen zudem über Stromanschlüsse und USB-Anschlüsse. Die Schließfächer sind allerdings nicht als sichere Aufbewahrung besonders wertvoller Gegenstände gedacht.
Weitere Informationen zur Nutzung, zur Buchung und zum Kontakt bei Problemen finden sich auf der Website der Stadtwerke und bei radbox.nrw.
Ein gutes Angebot braucht auch gute Zugänge
Das Fahrradparkhaus an der Stadthausstraße ist grundsätzlich eine sinnvolle Ergänzung für die Hammer Innenstadt. Es bietet viele wettergeschützte Stellplätze, einen zentralen Standort und einen überschaubaren Preis. Wer sein Fahrrad beim Einkaufen oder bei einem Besuch in der Innenstadt sicher abstellen möchte, bekommt eine weitere Option.

Aber eine gute Infrastruktur besteht nicht nur aus Beton, Stahl und Stellplätzen. Sie muss auch auffindbar, verständlich und ohne unnötige Hürden nutzbar sein.
Dazu gehören aus meiner Sicht vor allem drei Dinge:
- Eine sichtbare Wegweisung: Wer mit dem Fahrrad zum Marktplatz fährt, sollte das Parkhaus auf Anhieb finden können.
- Ein einfacher Zugang: Registrierung und Buchung müssen zuverlässig funktionieren – auch für Menschen, die keine Lust haben, sich zunächst mit Browser-Einstellungen und Zahlungsweiterleitungen zu beschäftigen.
- Eine verständliche Bedienung: Gerade bei den Doppelstockparkern sollten Hinweise zeigen, wie die Halterungen funktionieren und welche Stellplätze für schwere Fahrräder oder Menschen mit eingeschränkter Kraft geeignet sind.
Dass die Anlage bei meinem ersten Besuch fast leer war, ist noch kein Beweis dafür, dass das Konzept nicht funktioniert. Das Parkhaus ist gerade erst eröffnet worden. Es braucht Zeit, bis sich ein neues Angebot herumspricht und in den Alltag integriert wird.
Aber die Verantwortlichen sollten die geringe Nutzung zum Anlass nehmen, genauer hinzuschauen. Denn wenn an einem sonnigen Marktsamstag zahlreiche Fahrräder in der Innenstadt unterwegs sind, während das neue Fahrradparkhaus nahezu leer bleibt, stellt sich durchaus die Frage, ob das Angebot seine Zielgruppe bereits erreicht.
Mein Fazit: Ein Fahrradparkhaus mitten in Hamm ist eine gute Idee. Ein Euro für 24 Stunden ist ein fairer Preis. Jetzt wäre es schön, wenn man das Parkhaus auch ohne digitale Schnitzeljagd findet und nutzen kann.
Fast wie in Holland eben. An den Fahrradparkhäusern allein liegt es nicht, ob eine Stadt fahrradfreundlich wird. Man muss sie auch erreichen, verstehen und selbstverständlich benutzen können.
Quellen
Für den Artikel habe ich die drei verlinkten Seiten inhaltlich berücksichtigt:
- Westfälischer Anzeiger: Fahrradparkhaus in Hamm eröffnet – das müssen Radfahrer wissen. Quelle für Eröffnung, Ausstattung, Baukosten und Fördermittel.
- Stadtwerke Hamm: Fahrradparkhaus Stadthausstraße. Quelle für Adresse, Öffnungszeiten, Tarife, Rabattregelung, Buchung, Schließfächer und Sicherheitshinweise.
- radbox.nrw: Buchungsplattform. Quelle für den digitalen Buchungsprozess und die Kontaktmöglichkeiten bei Problemen.









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