Radfahrertypen und Stresslevel

Radfahrertpyen

Wie kann man erreichen, dass mehr Menschen ihre täglichen Wege zur Arbeit und zum Einkaufen mit dem Fahrrad erledigen und nicht nur das Fahrrad am Wochenende als Freizeitbeschäftigung aus dem Keller holen. Der Schlüssel dazu ist eine gut ausgebaute Radinfrastruktur mit getrennten Radwegen. Untersuchungen habe gezeigt, dass man die Bevölkerung in vier Gruppen aufteilen kann:

Die Furchtlosen (2 %)

Die Furchtlosen machen je nach Quelle 0,5 % – 2 % der Bevölkerung aus. Das sind hartgesottene Vielfahrer, die stark und furchtlos sind und selbstbewusst und ohne Angst auf dem Fahrrad unterwegs sind. Sie benötigen keine seperaten Radwege, fahren lieber auf der Straße als auf holprigen Radwegen. Zu 85 % sind es Männer im Alter zwischen 18 und 40 Jahren.

Die Gewohnheitsfahrer (6 %)

Das sind begeisterte und überzeugte Radfahrer, die selbstbewusst aber auch besorgt sind. Sie fahren mit wenig Angst, allerdings nicht unter allem Umständen. Sie nutzen gerne eine gut ausgebaute Radinfrastruktur. 75 % davon sind männlich, 80 % im Alter zwischen 18 und 54 Jahren.

Die Nichtfahrer (33 %)

Das sind Menschen, die auf keinen Fall für das Fahrradfahren zu gewinnen sind. Die Gründe mögen ganz unterschiedlich sein, sie wollen nicht, sie können nicht aus aus alters- oder gesundheitlichen Gründen, sie dürfen nicht, weil es Kinder sind oder sie sind ohne Rad aufgewachsen etc.

Jetzt bleibt noch ein Anteil von 60 % übrig. Das ist die Bevölkerungsgruppe, die man für das Radfahren gewinnen kann.

Die Interessierten (60 %)

Diese Bevölkerungsgruppe ist interessiert, aber auch besorgt. Für diese Gruppe besteht ein grundsätzlichens Interesse Rad zu fahren, sie wird aber von einer fehlenden seperaten Radinfrastruktur davon abgehalten. Diese Menschen fahren gerne Rad, aber nur auf stressarmen Radwegen. Sie bevorzugen sicher Radverkehranlagen. 60 % dieser Gruppe sind Frauen, Kinder sowie ältere Menschen.

Bis zu zwei Drittel der Menschen können mit der richtigen Radverkehrsförderung aktiviert werden!

Stresslevel

Sich im Verkehr zu bewegen bedeutet Stress. Bei der Planung der Radverkehrsinfrastruktur muss der Stess-Level berücksichtigt werden. Die Wissenschaft unterscheidet vor Typen von Stresslevel (Level of Traffic Stress LTS).

LTS 1 beschreibt eine Infrastruktur, die wenig Stress auslöst und damit für potentiell alle Radfahrenden nutzbar ist, darunter Kindern und selbst die Nicht-Fahrer.

LTS 2-Radinfrastruktur bereitet wenig Stress und ist für die meisten erwachsenen Fahrer geeignet. Sie entspricht dem niederländischen Standard für Radverkehrsanlagen. Mit diesem Ausbau können die Interessierten erreicht werden.

LTS 3 bedeutet für den Nutzer mehr Stress als LTS 2, beispielweise ungeschützte Radfahrstreifen oder Schutzstreifen. Mit LTS 3 werden Gewohnheitsfahrer angesprochen.

LTS 4 ist das höchste Stresslevel. Es ist noch annehmbar für die Furchtlosen, d.h. Radfahrer mit einer hohen Stress-Toleranz.

Bild ADFC

Wenn die Radinfrastrukur durchgehend LTS 2 entspricht, dann werden auch immer mehr Menschen auf das Rad umsteigen.

Um die große Gruppe der Interessierten zu aktivieren, ist eine Radinfrastruktur erforderlich, die mindestens LTS 2 erfüllt.


Literatur:
Thiemo Graf, Handbuch: Radverkehr in der Kommune, 2020
ADFC, So geht Verkehrswende, 2019

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