Die Grünstraße wird rot

Veröffentlicht von Walter am

Ein bisschen wie in Münster und in Holland – mit der Grünstraße wurde die erste Fahrradstraße in Hamm komplett rot eingefärbt. Damit sollte jedem klar werden, dass er auf einer Fahrradstraße unterwegs ist, denn Fahrradstraße war die Grünstraße auch schon vorher. Außerdem sind die Natursteine bei den Rampen verschwunden, was für Radfahrende ein echte Verbesserung und deutlich mehr Komfort bedeutet.

MIt dieser Maßnahme wurde jetzt ein Prestigeprojekt von B90/Die Grünen umgesetzt, über das wir in diesem Blog schon ausführlich berichtet haben.

Radinfrastruktur muss sichtbar sein

Bei der Grünstraße wird eine Kernanforderung erfüllt: “Gestalten Sei eine auffallende und einladende Radinfrastruktur!” Die Radinfrastruktur sollte Autofahrenden auffallen. Gut sichtbare und einladende Radwege sind das beste Marketing fürs Radfahren. Erst so wird auch die Gruppe derjenigen, die das Fahrrad nie benutzen, zum Radfahren angeregt. Diese Anforderung erfüllt die Grünstraße in vollem Maße.

Wünschenswert wäre eine solche Markierung aber nicht nur für die Grünstraße, sondern für alle 14 Fahrradstraßen in Hamm. Würde man alle Fahrradstraße rot markieren, wäre dies eine sehr teure Angelegenheit. Andere Kommunen verzichten daher auf eine vollflächige Markierung und färben nur die Kreuzungsbereiche rot ein und markieren die Fahrbahnränder, was deutlich preiswerter ist. 

Unechte Fahrradstraße

Wie wahrscheinlich 95 % aller Fahrradstraßen in Deutschland handelt es sich bei der Grünstraße um eine unechte Fahrradstraße, d.h. durch ein Zusatzschild “KFZ frei” ist die Grünstraße auch für PKWs befahrbar. Diese müssen allerdings berücksichtigen, dass die maximale Geschwindigkeit auf 30 km/h begrenzt ist und dass der Radverkehr weder behindert noch gefährdet werden darf. Andere Kfz müssen daher ggf. ihre Geschwindigkeit weiter reduzieren. Zudem ist erlaubt, dass Radfahrer nebeneinander auf der Fahrradstraße fahren. Beim Überholen muss der Mindestabstand von 1,50 m eingehalten werden. Bei einer Fahrbahnbreite von 4 m kommt das praktisch einem Überholverbot gleich, da eine Fahrrad einen Verkehrsraum von 1 m und ein Auto von 2,25 m benötigt. Da bleiben keine 1,50 m für den vorgeschriebenen Abstand mehr übrig.

Ausbau von Fahrradstraßen

Echte Fahrradstraßen sind zwischen 4,00 m und 4,60 m breit. Unechte Fahrradstraßen weisen dagegen eine Breite zwischen 4,00 m und 6,10 m auf. (Stvo2Go). In den einschlägigen Regelwerken gibt es allerdings keine Vorgabe für die Breite von Fahrradstraßen. Zu den Regelwerken zählen 

  • die Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung (VwV-StVO)
  • die Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt) und
  • die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA)

Geht man davon aus, dass in einer Fahrradstraße Radfahrende nebeneinander fahren dürfen und jeder Radfahrende einen Verkehrsraum von 1 m benötigt, ergibt sich eine Breite von 4 m. Die Breite wird in der Grünstraße nicht eingehalten. Zwischen den Hausnummern 38 und 44 hat man die Parkplätze nicht beseitigt, die Fahrbahn verengt sich hier auf vielleicht 2,50 m, so dass ein Begegnungsverkehr mit PKWs nicht möglich ist. Im ursprünglichen Antrag von B90/Die Grünen sah das noch anders aus, aber die Proteste der Anwohner haben einen adäquaten Ausbau der Fahrradstraße verhindert, die Politik ist eingeknickt, Parkplätze ware dann doch wichtiger als ein regelgerechter Ausbau der Fahrradstraße. 

Nicht täuschen lassen, im Moment sind die Parkplätze noch gesperrt.

Die Grünstraße als Bestandteil der Hauptrouten nach Rhynern und Lohauserholz

Die Stadt Hamm plant zurzeit Radhauptrouten in die Stadtbezirke. Für Uentrop, Werries und Braam-Ostwennemar gibt es dazu schon eine Beschlussvorlage, für Rhynern wird diese vermutlich noch in diesem Jahr veröffentlicht. Die Grünstraße ist Bestandteil der geplanten Radhauptroute nach Rhynern, allerdings erfolgte die Markierung der Grünstraße nicht im Kontext diese Planung. Die Radhauptroute nach Rhynern verläuft über die Südstraße, Werler Straße, Hohe Straße in die Grünstraße und anschließend entlang der RLG-Trasse wieder zur Werler Straße (Radhauptroute Rhynern). Damit gibt es eine komfortable Möglichkeit über Fahrradstraßen bzw. Radwege Richtung Rhynern zu fahren. Zwischen Alleestraße und Richard-Wagner-Straße sollte die Grünstraße ebenfalls Fahrradstraße werden. Problematisch ist im Moment der Übergang von Südstraße zur Grünstraße. Warum man nicht mit der Markierung als Fahrradstraße bereits an der Hohen Straße begonnen hat, erschließt sich nicht wirklich. Ebenso müsste die Kreuzung Grünstraße/Feidikstraße für den Radverkehr umgebaut werden und man könnte die Grünstraße Vorfahrtsberechtigung vor der Feidikstraße geben. Ein modaler Filter könnte die Durchfahrt für PKW verhindern, wie das im Moment schon der Fall ist. Da bleibt noch etwas zu tun

Warum beginnt die Fahrradstraße nicht am Anfang der Grünstraße?

Fazit

Mit der Grünstraße hat Hamm jetzt eine rote Fahrradstraße. Das hat eine große Symbolwirkung, Radverkehrsinfrastruktur wird sichtbar und Autofahrende werden veranlasst, auf Radfahrenden mehr Rücksicht zu nehmen. Hamm wird damit ein Stück fahrradfreundlicher.

Es bleibt zu hoffen, dass es dabei nicht bleibt. Alle übrigen Fahrradstraßen in Hamm sollten entsprechend markiert werden, z.B. die Rautenstrauchstraße in Bockum-Hövel, die kaum als Fahrradstraßen wahrgenommen werden. Überhaupt sollte die vorhanden Radinfrastruktur durch Farbe aufgewertet und sichtbar gemacht werden. Das trägt auch zur Sicherheit der Radfahrenden bei.


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